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Einträge werden als ‘Dumme Gedanken’ kategorisiert

Was Frau Merkel so sagt

271108 · Kommentar schreiben

Wenn Frau Merkel sagt, jetzt wäre die Zeit für Maß, Mitte und praktische Vernunft, sagt sie damit ja auch, wir hätten bislang die Zeit für Unmaß, Extremismus und Unvernunft (theoretische, vielleicht, oder unpraktische Vernunft?) gehabt. Und wann ist es dann wieder soweit?

Kategorien: Dumme Gedanken

Transport is arranged

010508 · Kommentar schreiben

Immer wieder fällt es mir jetzt auf, daß die da alle immer nur das Gleiche tun. Sie stehen da, erzählen was von ihrem Job, ihrer Beförderung, ihrer Beziehung – Beziehung, was soll das überhaupt heißen, was soll das eigentlich bedeuten, soll das was rüberbringen, soll mir das etwas sagen? Neun Jahre kann ich da immerhin vorweisen – oder dem neuen Möbel in ihrer Wohnung. Meine Gedanken schweifen in dem Moment ab, in dem ich das »Weißt du…« höre, oft auch beim »Also, mein…« und sofort natürlich beim »Ich hab’ ja…«, letzten Endes ist das aber auch nur Klischee, das Abschweifen. Wer modern sein will, konzentriert sich. Zenhabits-dot-net. Ich auch. Das erste Buch mit »Zen« im Titel habe ich mir vor 18 Jahren gekauft, dazu was über die Kabbala und den kompletten Castaneda. Nichts davon war bislang allerdings dabei hilfreich, mir zu erklären, warum all die Töne mir schal und immer schaler vorkommen. Warum so viele Töne immer mehr der Sack Reis in China werden, obwohl doch all diese Arbeit drinnsteckt . Fäkalausdruck! Dazu würde ich jetzt gerne was gegen die Wand schmeißen, tue es aber nicht. Lahme Offenbarung, das. Laß uns eine Tragödie daraus machen, dann interessiert es vielleicht jemanden. Wenn das zynisch klingt, wird es das wahrscheinlich auch sein.

Was soll das denn überhaupt sein, das Verstehen? Kann ein Verstehen sich strecken? Kann es, wenn man will, Tentakeln haben, die genau dahin greifen, wo man das Verstehen gerne hätte?. Ein Transportunternehmen zu engagieren wäre bestimmt einfacher. Einfacher. Einfacher. Nein.

Wie wird das Bekannte zur Fremdsprache? Wäre ich eine Birke, könnte ich jetzt wohl nach Tapetenwechsel verlangen, ich bin aber keine und der Kern der Verletzung steckt nicht da im Holz, auch nicht in der Rinde oder der Wurzel, der steckt in der Erde. Kein Wunder, da komme ich ja her, da kommt alles her und wieder hin. Aber da wartet Einer, genau 1, und der hört nicht auf zu warten, kann er auch nicht, er will ja was haben, aber das kommt nicht, es kommt nicht und kommt nicht weil das andere Ende im Kreis läuft, in Panik, nichts mehr kennt, die Sprache nicht versteht und am Behauptungsschwall erstickt, weil die Behauptung von allen Seiten hereinbricht, weil die Behauptung des Guten gut ist, war und sein wird, weil Behauptung, Wollen, Wünschen und Können sich nie die Wohnung teilen werden, weil ich nicht mehr ganz richtig bin im Kopf und taub und deswegen alles verloren habe.

Und ich sage danke. »Danke.«

Transport is arranged.

Kategorien: Dumme Gedanken · Krumme Texte

Nix

290408 · Kommentar schreiben

Ich will nichts mehr haben. Nichts. Außer dem natürlich, was ich wirklich brauche. Arbeitsmittel und Werkzeuge für die Musik und das Schreiben, CDs, Bücher, eine Grundausstattung an Geschirr und Besteck, vernünftige Kochwerkzeuge, Vorrichtungen zu deren Unterbringung, ein paar Sitzmöbel, ein Schreibtisch, die Computer und eine Internetverbindung, ein Telephon, eine Schlafstatt mit Wäsche, was eben so nötig ist. Das ist schon eine ganz schöne Menge, aber meine Güte, was ich und jeder, den ich kenne, sonst noch so an Gerümpel in der Wohnung haben… Weglaufen will ich da, einfach nur noch weglaufen und mit all dem Mist nichts mehr zu tun haben.

Überall ist Zeug und ich kann Zeug nicht mehr ausstehen. Ich hasse Zeug, das nur dazu da ist, irgendwie auszusehen. Und dennoch steht dieses Zeug überall herum und wenn ich irgendeine Ecke von Staub und Schmodder befreien will, muß ich erstmal all das Zeug beiseite räumen und brauche dafür fast immer länger, als für die Befreiung selbst.

Das Gerümpel anderer Leute und auch das öffentliche ist mir durchaus egal, darum muß ich mich nicht kümmern, das muß ich nicht aufräumen und nicht putzen oder irgendwo wieder einräumen. Aufbewahren. Haben. Weil’s ja so hüsch ist. Oder schick, cool, witzig, süß, irrsinnig vielseitig und ein Must-Have dieses Sommers. Oder einfach nur Müll, Müll, Müll.

Gewiß, ein wesentlicher Teil der Menschheit lebt davon, daß ein anderer wesentlicher Teil (Achtung: Schnittmenge) sich gerne mit Dingen umgibt, die weder irgendeiner Funktion noch einer Erkenntnis dienen, niemandem. Ich habe da zum Beispiel eine Nachbarin, die sich die Verkehrsteilnahme gerne mittels per Saugnapf an den verschiedenen Sichtscheiben ihres Automobils angebrachter Stofftierchen verniedlicht. Mir ist das unbegreiflich, aber es gibt noch mehr solcher Leute und da wird die Sache beängstigend. Die sind ja überall, auch da, wo wir verwaltet werden und ich will mich nicht von Bimmelbammelkramleuten verwaltet wissen. Eigentlich will ich überhaupt nicht wissen, was für Leute mich verwalten, aber wenn ich’s mir recht überlege, wäre das genau der richtige Job für meine Nachbarin, irgendwas im Büro ist es auf jeden Fall, vielleicht Krankenkasse.

Ja, verwalten. Dem Haben nicht unähnlich. Ich habe eine ganze Schublade voller Notizbücher verschiedener Art, die ich unbedingt haben wollte, aber nicht benutze, weil sie sich für meine Art zu schreiben und Notizen zu machen einfach nicht eignen. Eine Handvoll Karteikarten (A7) und eine Sorte bestimmter Hefte (unliniert) in zweierlei Formaten reichen mir. Oder all die Artikel, Textschnipsel und Informationsfetzen aus dem Netz, die sich auf meinem alten Rechner angesammelt haben, die ich ganz beflissen auf DVDs gesichert habe, als ich vom alten Rechner auf den neuen umgezogen bin und seitdem nicht wieder gebraucht habe. Oder die kompletten ZEIT-Jahrgänge mit akribisch angebrachten Markierungen, die ich jetzt weder erinnere noch vermisse. Oder die in den feuchten Keller ausgelagerten Bücher, die dort Flaum ansetzen. Oder die unzähligen abgenudelten Gitarrensaiten, deren Aufbewahrung sich in den vergangenen zehn Jahren notfallsweise genau einmal nützlich gezeigt hat. Ebenso die Trommelfelle… (nein, nicht die in den Ohren, die davor). Und das ist ja nur ein winziger Ausschnitt, da ist all das Wohnzeug noch nicht dabei, vom Irgendwaszeug gar nicht zu reden.

Weg. Weg, weg, weg! Und das bitte ich richtig kurz und hart auszusprechen. Das Weg ist der Weg. Und das Ziel.

Kategorien: Dumme Gedanken

Mit ohne Alles

220408 · 5 Kommentare

Manchmal höre ich, wie jemand Irgendwas »ohne Alles« bestellt (gut, es hilft, über einem Ausflugscafé zu wohnen), also etwa »Kuchen ohne Alles« – wobei dieses Alles ja auch nur Eines ist, die Schlagsahne eben. Der Sinn dieser Wendung ist ja zu verstehen und der Ausdruck wirkt auf seine schrullige Art auch amüsant, wirklich witzig finde ich aber den ausgesprochenen Hinweis, auf ein optionales Extra verzichten zu wollen. Solche Extras, die schleichend in den Stand des Selbstverständlichen erhoben werden, finden sich ja immer wieder, die Plastiktüte an der Supermarkt- oder Warenhauskasse zum Beispiel: »Danke, das geht ohne Tüte.«

An anderen Orten hingegen käme man niemals auf die Idee, diesen Verzicht hervorzuheben, niemand sagt am Postschalter »Diesen Brief bitte nicht als Einschreiben«, es sei denn, es handelte sich um eine Serie von Briefen, die alle bis auf einen per Einschreiben versendet werden sollten, aber das wäre nun eine eher seltene Ausnahme, die ich hier nicht erwähnen muß.

Aber abgesehen davon, könnte man statt »ohne Alles« eigentlich auch »mit Nichts« sagen?

Kategorien: Dumme Gedanken

Einschlafschwierigkeiten

140408 · Kommentar schreiben

Ich habe noch nie verstanden, wofür die Tiefschlafautomatik unserer Computer gut sein soll. Festplatte und Bildschirm nach ein paar Minuten Ruhe abzuschalten ist ja schön und die Hersteller sind auch ganz stolz auf diese Errungenschaft, aber warum die Leute scharf darauf sind, ihren Rechner zu verpflichten, sich nach soundsoviel nutzlos verbrachten Minuten (oder Stunden, Tagen, Jahren) nahezu komplett, beziehungsweise vollständig, stillzulegen, ist mir ein Rätsel.

Was ist mit diesen Leuten los, denen ein oder zwei Klicks, ein schnöder Tastaturbefehl oder das elegante Zuklappen des Laptops zuviel sind, wenn sie länger als meinetwegen zehn Minuten von der Kiste wegbleiben? Die womöglich noch ein Hilfsprogramm laufen lassen, das sich vor die Tiefschlafautomatik schiebt, wenn der Rechner wach bleiben muss, obwohl erst mal nicht viel passiert?

Fürchten diese Leute, daß sie aufs Klo gehen und danach vergessen, zurückzukommen und das Ding weiter zu benutzen? – Surf, surf, surf, kack und piss, ach, Kaffee koch, rausgeh und Blumen kuck, Hirni sei und flöt, flöt, pfeif?

Mein Computer schläft dann, wenn ich es ihm anschaffe. Ich gehe aufs Klo und klappe das Ding vorher eigenhändig zu. Und dann klappe ich es ebenso eigenhändig wieder auf.

Dazwischen wasche ich mir irgendwann die Hände.

Kategorien: Dumme Gedanken

Konkrete Geographie

080108 · Kommentar schreiben

Gibt es eine Straße, die nie aufhört? Ist es möglich, eine Reise anzutreten, die niemals endet und keine Flucht ist? Kann man irgendwo anfangen und nirgendwo aufhören ohne jemals umzukehren?

Kategorien: Dumme Gedanken

Und der gute Ton?

160507 · 4 Kommentare

zuender.zeit.de/plaedoyer/2007-18-cd

Liebe Katharina Litschauer,

sehr schön und lobenswert, Ihr Plädoyer. Zehn wertvolle Argumente gegen die Verwendung des mp3-Formats als Grundlage einer musikalischen Sammlung. Und wie Sie auch richtig erkannt haben, konnten all diese Argumente bereits bei der Verdrängung des Vinyls durch das Polycarbonat trefflich eingesetzt werden.

Allein, das Wesentliche fällt bei Ihnen unter den Tisch: Der Klang, verdammt! Mp3-komprimierte Musik verhält sich zur CD wie ein Thumbnail zum hochaufgelösten Bild, wie ein YouTube-Video zur DVD. Wenngleich sich auch die CD mit ihrem veralteten Standard zur ursprünglichen Aufnahme verhält wie das hochaufgelöste Bild zum Papierabzug, wie die DVD zum Kino, sie klingt einfach nicht so leblos, flach und artefaktbeladen, so zischelig obenrum und einfarbig untenrum, nicht einfach so beschissen wie ein MP3. Egal ob das nun mit 128, 256 oder 364 kbps kodiert wurde.

Ich hoffe sehr, Sie haben das einfach nur irgendwie vergessen, weil der Kaffee so stark war oder so, und selbst dann schon möchte ich Ihnen mein herzliches Beileid aussprechen, gleichzeitig jedoch auch meinem Zorn über diese Dummheit Platz verschaffen. Falls Sie den Unterschied allerdings tatsächlich nicht mehr hören, schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen, verstehe mal wieder nicht, warum wir Musik nicht einfach mit Anrufbeantwortern aufnehmen und überlege mir, vielleicht doch an einen Gott zu glauben, um ihn für die Welt um Gehör bitten zu können.

Ach ja, der Vollständigkeit halber: de.wikipedia.org/wiki/MP3 sowie en.wikipedia.org/wiki/Mp3

Kategorien: Dumme Gedanken

Leben oder so

270407 · Kommentar schreiben

Lasst uns wieder mehr Krieg spielen. Das ist spaßig, vertreibt die Zeit und ist außerdem nur menschlich – wir können doch gar nicht anders. Und sowieso sollten wir aufhören, unsere Kriege so neumodisch weit wegzuschieben. Das hat sich ja erst in den letzten Jahrzehnten eingebürgert und wirkt nicht gerade selbstbewußt, es ist auch den anderen gegenüber nicht fair. Wer läßt sich schon gern seinen sorgsam gepflegten Krieg wegnehmen?

Zugegeben, wir haben haben da durchaus einen respektablen Krieg hier bei uns, gegen alle, überall, natürlich auch gegen uns selbst und vor allem gegen den Planeten. Leider findet die Angelegenheit wenig mitreißend statt, meistens bekommen wir davon gar nichts mit und am Ende gewinnt eh der Planet.

Bis dahin, finde ich, sollten wir uns also mal wieder einen echten, fetzigen Krieg anschaffen, so richtig mit Peng und Bumm und Aua. Gingen wir da dann auch alle brav hin, wäre dem Planeten schon mal eine Menge Arbeit erspart und er könnte sich viel früher wieder produktiven Dingen zuwenden. Wie Leben oder so.

Kategorien: Dumme Gedanken

Sandkasten

160307 · Kommentar schreiben

Keiner von uns ist erwachsen. Wir sind 160.000 Jahre alt und benehmen uns wie Kinder im Sandkasten. Wie dumme Kinder, meistens. Und wie im Sandkasten sind diejenigen mit den größten Burgen nicht immer die klügsten, ebenso wenig wie die, die am lautesten schreien. Der Verstand reicht nur so weit wie die ausgestreckte Hand, oft nicht mal bis zur eigenen Nasenspitze.

Manchmal steht dann Einer daneben und fragt sich, was das alles eigentlich soll. Der ist aber auch nicht klüger, weiß nicht, was er tun soll und glotzt nur blöd.

Kategorien: Dumme Gedanken

Bibliothekarische Erosion

100307 · 2 Kommentare

Neulich hatte ich einen Aha-Moment allererster Güte. Einen von der Sorte, die erst mal nicht viel hermachen, dann aber doch gehörige Erosionskraft entwickeln. Es geht darum, wie wir unsere Sample- und Sound-Libraries bezeichnen – genauer gesagt, es geht um eben diese Worte.

Wir – das heißt Leute, die irgendwie mit der Erzeugung und technischen Bearbeitung von Musik zu tun haben, unter Musikern allerdings meist nur diejenigen, die sich mit elektronischen Musikinstrumenten in harter sowie weicher Form abgeben, insgesamt Menschen also, die vollkommen ernsthaft den ganzen Tag an höchst anspruchsvoller Software und zigfach blinkenden Geräten schwere Arbeit verrichten – basteln lustig an unseren Synthesizern und Samplern herum, speichern Klangeinstellungen ganz richtig als Sounds, Presets oder Patches ab und nennen größere Sammlungen dieser Presets schließlich Libraries oder Bibliotheken. Nichts gegen die Verwendung englischer Begriffe, eine lingua franca dient ja nun einfach der leichteren Verständigung bei der Beschäftigung mit einem gegebenen Thema. Mich juckt es da, wo wir für unsere Preset-Sammlungen ein Wort benutzen, das zwar für Sammlungen gedacht ist, bis vor wenigen Jahren und von seinem tiefsten Ursprung her jedoch einem anderem und nur diesem Medium vorbehalten war: Bibliothek. Oder eben Library. Beide Varianten werden aus dem Altertum hergeleitet, die eine vom griechischen »bibliotheke« (Büchergestell), die andere schlicht vom lateinischen »liber« (Buch).

Betrachtet man nun eine Anhäufung von Sounds ebenso als gesammeltes Wissen wie eine Anhäufung von Büchern, als Sammlung von Wissen über Klang und seine Erzeugung nämlich, könnte man durchaus fragen, ob denn diese legere Verschiebung der Bedeutung nicht einfach hinzunehmen wäre. Was macht’s denn schon? Es ist einfach, bietet sich an und klingt gut. Aber nein, regt sich das Hirn, es ist schlicht falsch. Es paßt dem Wortsinn so gar nicht aufs Haupt und wirkt alles andere als kleidsam.

Mithin wird die Klangkollektion auf diesem Weg zum Simulacrum, zur Kopie ohne Original, und erlaubt es auch bibliophoben Zeitgenossen, sich eine Bibliothek ins Heim zu stellen ohne jemals eine echte besucht zu haben.

PS: Man erlaube mir den morbiden Spaß, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß vor wenigen Tagen, am 6. März 2007, in Paris ein kluger Mann namens Jean Baudrillard im 77. Jahr seines Lebens verstorben ist. Ruhe er wohl.

Kategorien: Dumme Gedanken