Ich will nichts mehr haben. Nichts. Außer dem natürlich, was ich wirklich brauche. Arbeitsmittel und Werkzeuge für die Musik und das Schreiben, CDs, Bücher, eine Grundausstattung an Geschirr und Besteck, vernünftige Kochwerkzeuge, Vorrichtungen zu deren Unterbringung, ein paar Sitzmöbel, ein Schreibtisch, die Computer und eine Internetverbindung, ein Telephon, eine Schlafstatt mit Wäsche, was eben so nötig ist. Das ist schon eine ganz schöne Menge, aber meine Güte, was ich und jeder, den ich kenne, sonst noch so an Gerümpel in der Wohnung haben… Weglaufen will ich da, einfach nur noch weglaufen und mit all dem Mist nichts mehr zu tun haben.
Überall ist Zeug und ich kann Zeug nicht mehr ausstehen. Ich hasse Zeug, das nur dazu da ist, irgendwie auszusehen. Und dennoch steht dieses Zeug überall herum und wenn ich irgendeine Ecke von Staub und Schmodder befreien will, muß ich erstmal all das Zeug beiseite räumen und brauche dafür fast immer länger, als für die Befreiung selbst.
Das Gerümpel anderer Leute und auch das öffentliche ist mir durchaus egal, darum muß ich mich nicht kümmern, das muß ich nicht aufräumen und nicht putzen oder irgendwo wieder einräumen. Aufbewahren. Haben. Weil’s ja so hüsch ist. Oder schick, cool, witzig, süß, irrsinnig vielseitig und ein Must-Have dieses Sommers. Oder einfach nur Müll, Müll, Müll.
Gewiß, ein wesentlicher Teil der Menschheit lebt davon, daß ein anderer wesentlicher Teil (Achtung: Schnittmenge) sich gerne mit Dingen umgibt, die weder irgendeiner Funktion noch einer Erkenntnis dienen, niemandem. Ich habe da zum Beispiel eine Nachbarin, die sich die Verkehrsteilnahme gerne mittels per Saugnapf an den verschiedenen Sichtscheiben ihres Automobils angebrachter Stofftierchen verniedlicht. Mir ist das unbegreiflich, aber es gibt noch mehr solcher Leute und da wird die Sache beängstigend. Die sind ja überall, auch da, wo wir verwaltet werden und ich will mich nicht von Bimmelbammelkramleuten verwaltet wissen. Eigentlich will ich überhaupt nicht wissen, was für Leute mich verwalten, aber wenn ich’s mir recht überlege, wäre das genau der richtige Job für meine Nachbarin, irgendwas im Büro ist es auf jeden Fall, vielleicht Krankenkasse.
Ja, verwalten. Dem Haben nicht unähnlich. Ich habe eine ganze Schublade voller Notizbücher verschiedener Art, die ich unbedingt haben wollte, aber nicht benutze, weil sie sich für meine Art zu schreiben und Notizen zu machen einfach nicht eignen. Eine Handvoll Karteikarten (A7) und eine Sorte bestimmter Hefte (unliniert) in zweierlei Formaten reichen mir. Oder all die Artikel, Textschnipsel und Informationsfetzen aus dem Netz, die sich auf meinem alten Rechner angesammelt haben, die ich ganz beflissen auf DVDs gesichert habe, als ich vom alten Rechner auf den neuen umgezogen bin und seitdem nicht wieder gebraucht habe. Oder die kompletten ZEIT-Jahrgänge mit akribisch angebrachten Markierungen, die ich jetzt weder erinnere noch vermisse. Oder die in den feuchten Keller ausgelagerten Bücher, die dort Flaum ansetzen. Oder die unzähligen abgenudelten Gitarrensaiten, deren Aufbewahrung sich in den vergangenen zehn Jahren notfallsweise genau einmal nützlich gezeigt hat. Ebenso die Trommelfelle… (nein, nicht die in den Ohren, die davor). Und das ist ja nur ein winziger Ausschnitt, da ist all das Wohnzeug noch nicht dabei, vom Irgendwaszeug gar nicht zu reden.
Weg. Weg, weg, weg! Und das bitte ich richtig kurz und hart auszusprechen. Das Weg ist der Weg. Und das Ziel.
